OpenVZ Xen KVM – Was sind die Unterschiede?

OpenVZ Xen KVM – diese drei Vertreter sind im Umfeld virtueller Server immer weider anzutreffen. Doch worum handelt es sich bei diesen drei Produkten? Im Zuge der Suche einer geeigneten Hosting-Plattform für u.a. dieses Blog habe ich einige vServer Anbieter verglichen – in Sachen Leistung und natürlich auch im Preis. Ein Detail aller vServer ignorierte ich aber am Anfang – die Virtualisierungstechnik. Als ich die Übersicht über günstige vServer erstellt habe viel mir aber auf, dass der Preis eines vServers ein Indiz für die eingesetzte Virtualisierungstechnik zu sein scheint. In diesem Artikel möchte ich euch einen kurzen Überblick über die drei häufigsten Vertreter (OpenVZ Xen KVM) geben.

OpenVZ

OpenVZ XEN KVMBei OpenVZ handelt es sich um keine „richtige“ Virtualisierungslösung bei der ein ganzer Server virtualisiert wid. OpenVZ ist auch als der Linux-Container bekannt. Der virtuelle Server nutzt hier große Teile des Linux-Hostbetriebssystems – unter anderem dessen Kernel – stellt für die einzelnen Nutzer aber voneinander abgeschirmte Umgebungen als „virtuelle Server“ zur Verfügung. Darin beruht auch eine Einschränkung: OpenVZ ist nur in der Lage Linux-Betriebssysteme zu virtualisieren und man hat keine Möglichkeit Änderungen am Kernel des Gastsystems durchzuführen (da dieser ja der der Hostsystems ist). Die Zugriffe auf die Hardware erfolgen direkt – ohne Virtualisierungsschicht. Dies gilt insbesondere für den Arbeitsspeicher. Alle Gäste teilen sich den RAM des Hostsystems – dieser wird aber nicht beim Starten der virtuellen Gastserver reserviert. So lassen sich hier auf einem Server mit 32 GB Ram 50 Hosts mit jeweils 1 GB Ram betreiben. So lange der RAM nicht beansprucht wird, ist alles gut – wollen aber alle Gastsysteme gleichzeitig den für Sie zur Verfügung gestellten RAM nutzen drückt dies ganz schön auf die Leistung. Der Host (und damit auch die vServer) beginnen zu swappen. Dies beeinflusst natürlich die Performance der Gäste.

Xen

OpenVZ XEN KVMBei Xen handelt es sich um eine „echte“ Virtualisierungslösung. Hier werden komplette virtuelle Server bereitgestellt, in die sich nahezu jedes Gastbetriebssystem installieren lässt. Xen ist dabei als eine Art eigenes Betriebssystem zu sehen (es ist ein BareMetal Hypervisor)- dessen Aufgabe die Bereitstellung und Verwaltung virtueller Umgebungen ist. Die Xen-Virtualisierung lässt sich nochmals unterteilen in PV (Paravirtualisierung) und HVM (Hardware Virtual Machine) – welche jeweils einige Besonderheiten haben.

Xen – Paravirtualisierung

Bei der Paravirtualisierung greifen die Gastsysteme direkt auf die Hardware des Hostsystems zu. Es wird kein spezielle virtuelle Hardware emuliert. Damit die Gastsysteme auf die Hardware des Hosts zugreifen können, müssen diese einen speziellen, für Paravirtualisierung geeigneten Kernel haben. Diese Kernel existieren für Linux, BSD, Solaris und Novell Netware. Windows ist als Gast von der Paravirtualisierung ausgeschlossen. Nicht zu verwechseln mit OpenVZ sollte man allerdings, dass hier trotzdem ein eigener Kernel für das Gastsystem genutzt wird – Anpassungen sind möglich.

Xen – Hardware Virtual Machine

Wie der Name schon vermuten lässt, wird bei der Hardware Virtual Machine eine kompletter virtueller Server mit virtueller Hardware bereitgestellt. Es erfolgt standardmäßig eine vollständige Abstraktion vom Hostsystem. Der Overhead ist nochmal etwas größer als bei der Paravirtualisierung. Die Performance ist dennoch gut, da die HVM einen Host mit Virtualisierungstechnologie vorraussetzt. Das Bedeutet, der Host muss einen Prozessor besitzen, der spezielle Virtualisierungsfunktionen in Hardware bereit stellt (Intel VT oder AMD HyperV). Als Technik kommt eine abgewandelte Version von Qemu zum Einsatz. Spezielle Kernel wie bei der Paravirtualisierung werden nicht benötigt. Es besteht aber auch hier die Möglichkeit ohne Abstraktionsschicht direkt auf die Serverhardware zuzugreifen – spezielle Treiber ermöglichen den direkten Zugriff auf die Hardware des Hosts. Dennoch ist die Netto-Leistung für die Gastsysteme etwas geringer als bei der Paravirtualisierung.

KVM

OpenVZ XEN KVMKVM ist der jüngste Vertreter der drei genannten Virtualisierungslösungen. Der Ansatz ähnelt am ehesten dem von XEN, auch wenn es sich hierbei nicht um ein eigenes Betriebssystem handelt. KVM ist als Kernel-Modul für den Linuxkernel verfügbar. Somit läuft der Hypervisor – also die Virtualisierungssoftware – auch sehr nah an der Hardware, wenn auch nicht so nah wie bei Xen. Für den Betrieb unabdingbar ist auch hier der Einsatz einer passenden Hardware mit Virtualisierungsfunktionen (Intel VT oder AMD HyperV). Es werden vollständige virtuelle Server (mit eigener virtueller Hardware) bereitgestellt in der sich nahezu jedes Gastbetriebssystem installieren lässt. Auch hier existieren Gerätetreiber, die eine direkte Nutzung der Host-Hardware ohne Abstraktionsschicht ermöglichen.


Fertig paketierte KVM-Kernel-Module existieren für viele Linux-Distributionen. Eine Installation eines eigenen KVM-Hosts sollte somit relativ einfach sein.


OpenVZ Xen KVM – Fazit

Im „Hobby-Bereich“ ist es meiner Meinung nach relativ egal, ob der vServer den man mieten möchte unter OpenVZ Xen KVM betrieben wird. Die eigenen Ansprüche und finanziellen Mittel entscheiden ob man eher bei OpenVZ oder den anderen beiden Lösungen landet. Wer wenig Geld und keine großen Anforderungen an den Server hat, der kann auch mit OpenVZ glücklich werden.

Benötigt man allerdings die Möglichkeit Veränderungen am Linux-Kernel durchzuführen oder will ein Windowsserver als Gastsystem betreiben, so kommt man um die beiden Lösungen Xen und KVM nicht herum.

Ich habe versucht eine tabellarische Übersicht über die Virtualisierungstechnologien OpenVZ, Xen und KVM zu erstellen:

OpenVZ Xen KVM OpenVZ Xen PV Xen HVM KVM
Netto-Leistung
für Gäste
++ ++ + +
Potentielle Leistungseinbußen
bei falscher Konfiguration und Überbelegun
/ / /
Stabilität und
Reife der Software
++ ++ ++ +
Kosten für Gastsysteme im Preisvergleich ++ + +

+

Eine übersicht über günstige vServe-Angebote finden ihr in meinem Artikel günstige vServer übersicht.

5 Comments

Add a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich akzeptiere

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.